Ernährung

Für einige Menschen ist Essen etwas Schönes und Bereicherndes. Sie betrachten es als Ergänzung ihres vollgepackten Lebens. Viele belohnen sich regelmässig mit einem leckeren Essen. Wieder andere essen, um Frust abzubauen. Darüber hinaus kann Essen eine Pflicht sein, um dem Körper genügend Energie zuzuführen. Unser Körper muss ständig funktionieren, um die Aufgaben des Alltags zu erfüllen. Für einige Menschen ist Essen mit Ängsten verbunden. Was ist gesund? Was schadet meinem Körper? Sind Nahrungsmittel nur deshalb gesund, weil es auf der Verpackung steht? Welche Menge brauche ich? Dies ist ein sehr häufig diskutiertes Thema. Wie soll ich meinen Teller füllen? Wie sieht es mit den Kohlenhydraten aus? Wie viele Kohlenhydrate darf ich essen, ohne zuzunehmen? Sind Kohlenhydrate erlaubt? Wenn ja, welche? Es stellen sich auch Fragen wie: Welche Ernährungsform passt zu mir und zu meinem Lebensstil? Vegan, vegetarisch, Low Carb, ketogen, Low Fat, Trennkost, Intervallfasten, Paleo? Oder soll ich einzelne Mahlzeiten durch einen Shake ersetzen? Vielleicht ist eine basenbildende Ernährung, eine entzündungshemmende Ernährung oder die mediterrane Ernährungsform für mich geeignet?

Die Vielzahl von Ernährungsformen lässt darauf schliessen, dass es für viele Menschen der westlichen Welt, ein deutliches Überangebot an Lebensmitteln gibt. Das Bedürfnis, sich mit der Nahrungsaufnahme im Zusammenhang mit der Gesundheit und dem Gewicht auseinanderzusetzen, ist ein grosses Thema der heutigen Zeit. Bei der Umsetzung wird es jedoch schwieriger. Viele Änderungen sind nicht einfach, dauerhaft umzusetzen. Oft wird separat gekocht, da wir der Familie die Ernährungsumstellung nicht zumuten möchten. Soll eine neue Ernährungsform einschränkend sein? Nein, denn es kommt auf die Umsetzung und die bisherigen Essensgewohnheiten an. Wer nie oder selten mit frischen Lebensmitteln gekocht hat, wird sich schwerer tun. Fertiggerichte und Fast Food schmecken immer gleich. Durch die Zugabe von Fett, Zucker, Salz und Gewürzmischungen werden sie geschmacklich so stark verändert, dass der Konsument die Geschmacksnuancen der einzelnen Komponenten nicht mehr erkennt. Da kann es zu einer Herausforderung werden, wenn eine Karotte plötzlich, wie eine Karotte schmeckt.

Was ist der Unterschied zwischen Diät, Fastenkur und den jeweiligen Ernährungsformen? Umgangssprachlich liegt der Hauptunterschied in der Dauerhaftigkeit und der Zielsetzung. Eine Fastenkur ist auf eine gewisse Zeit begrenzt und dient dazu, dem Körper bewusst eine Auszeit zu gönnen. Das Fasten kann auch Energie bringend sein und sollte begleitend durchgeführt werden. Eine Ernährungsform zielt dagegen darauf ab, dauerhaft oder zumindest für längere Zeit umgesetzt zu werden, um mehr Wohlbefinden und eine bessere Gesundheit zu fördern. Auch aus ethischen Gründen kann man sich für eine Ernährungsform oder eine Fastenkur entscheiden. Eine Ernährungsform eignet sich gut für einen dauerhaften Lebensstil. Der Begriff „Diät” wird umgangssprachlich häufig mit einer schnellen Gewichtsreduktion in Verbindung gebracht. Ursprünglich wurde die Bezeichnung „diaita” aus dem Altgriechischen im Sinne von Lebensführung und Lebensweise verwendet.

Unsere Expertinnen im Bereich Ernährung:

Nicole Grossmann

Ganzheitliche Ernährungsberaterin
(Paracelsus Heilpraktikerschule Zürich-Oerlikon)
2023 – 2024

Heidi Schmid-Ackermann

Ernährungs-Psychologische Beraterin
IKP Zürich
2010 – 2015

Gerne stellen wir unsere beiden Fachthemen vor. Wichtig zu wissen ist, dass unsere Ernährungsformen nicht die einzigen richtigen sind. Jede Person ist individuell. Begleiterkrankungen spielen eine wichtige Rolle dabei, welche Ernährung man wählt oder welche Komponenten aus verschiedenen Ernährungsformen kombiniert werden. Die Unterstützung durch eine Fachperson kann helfen, seine persönliche Ernährungsweise zu finden.

Welche Ernährung beim Lipödem?

Ich finde dies so ein schwieriges Thema. Denn, gefühlt an jeder Ecke, jeder Post, liest du etwas darüber und jeder scheint die Beste Ernährung beim Lipödem zu haben. In meinem Kopf ist ein Gedankenkarussell entstanden. Was ist nun richtig, was ist nun falsch… geht es Dir als Lipödembetroffene auch so?
Ich bin Nicole Grossmann und ganzheitliche Ernährungsberaterin mit Spezialgebiet basenbildende Ernährung und Basenfasten.
Für mich ist diese Ernährungsform die Richtige. Ich kann sie überall anwenden und es überfordert mich nicht, da ich sie auch im Restaurant durchführen kann. Zu Hause koche ich antientzündlich und achte auf eine basenbildende Ernährung – deshalb vermeide ich Lebensmittel wie Spargel, die als säurebildend gelten.
Das Ziel der basenbildenden Ernährung ist, die Säure aus dem Gewebe zu bringen. Dies kann die Schmerzfaktoren reduzieren und auch den Lymphfluss fördern. Zu Beginn ist der Toilettengang häufiger nötig. Diese Ernährungsform reinigt auch unseren Körper. Besonders mit der Ergänzung Basenfasten. Dieses Fasten kann ich empfehlen, da immer gegessen wird. Wenn Du schon mal gefastet hast, ist Dir bestimmt aufgefallen, dass auch gewisse Mahlzeiten durch Säfte oder Bouillon ersetzt werden. Dies ist beim Basenfasten nicht so. Dort werden tierische Produkte, Getreide und Kaffee weggelassen, da diese Säurebildner sind.
Was ist nun der Unterschied Basenfasten und basenbildender Ernährung?
Beim Basenfasten lässt Du tierische Produkte, Getreide und Kaffee weg. Es sollte nicht länger als zwei Wochen durchgeführt werden. Sonst könntest Du körperliche Beschwerden bekommen, da dem Körper gewisse Bausteine fehlen. Während einer geführten Basenfastenkur bin ich an einem Tag so in den Unterzucker geraten, dass ich morgens um 3 Uhr eine Frucht essen musste. Es ist nicht zu unterschätzten!
Basenbildende Ernährung ist einfacher umsetzbar als das Fasten. Dort ist es wichtig, dass Du 80% basenbildende Produkte auf Deinem Teller hast und 20% Säurebildner wie z. B. Fleisch oder Teigwaren.
Vielleicht kommt Dir jetzt auch die Frage: ja aber Nicole, macht es Sinn dann die Ketogene-Ernährung anzugehen? Klar es gibt Studien, die zeigen, dass die Ketogene-Ernährung beim Lipödem sehr unterstützend wirkt. Doch diese Ernährungsform lässt keine Patzer zu. Da ist der Ernährungsplan genau einzuhalten. Sie ist auch nicht unbedingt basenbildend. Ich versuchte diese Kombi, doch es fehlten mir auch da gewisse Bausteine.
Für genau dieses Gedankenkarussell und solche Fragen, haben Sophie (Lipödembetroffene), Martin (Koch und Lebenspartner von Sophie) und ich (gelernte Bäcker-/Konditorin), den Koch und Backworkshop Lunch&Brunch ins Leben gerufen. Gemeinsam kochen und backen wir antientzündlich. Es kann alles gefragt werden und wir sprechen offen über unsere Erfahrungen.

Antiinflammatorisch angelehnte Ernährung

Ich freue mich, Ihnen meine eigens entwickelte Ernährungsform vorstellen zu dürfen. Doch was bedeutet „antiinflammatorisch angelehnt”? Die Basis besteht einerseits aus entzündungshemmenden Lebensmitteln, andererseits sind aber auch Kompromisse möglich. Eine zu strenge Umsetzung führt in der Regel dazu, dass die Ernährungsumstellung nur von kurzer Dauer ist. Meine eigene Erfahrung und die aus meiner Praxis zeigen deutlich, dass eine langfristige Ernährungsumstellung nur dann erfolgreich durchgeführt wird, wenn nicht alles auf einmal geändert wird und es nicht zu viele Verbote gibt.
Es deutet einiges darauf hin, dass bei vielen Krankheiten leise, chronische Entzündungsprozesse, sogenannte Silent Inflammation, im Körper vor sich gehen.
So auch beim Lipödem, Lymphödem, verschiedene Formen von Rheumatoider Arthritis und vielen anderen Krankheitsbildern. Es sind häufig nicht typische Entzündungszeichen sicht- und spürbar. Im Blut fehlen meist nachweislich die Entzündungsmarker CRP und dennoch sind Entzündungen da.

Wie kann man selbst mit der Ernährung den Silent Inflammation entgegenwirken?

Das Wichtigste ist zu erkennen, dass die Nahrungsaufnahme nicht nur Energieaufnahme bedeutet, sondern unseren Körper mit Makro- und Mikronährstoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen versorgt, die den Menschen gesund erhalten.

Makronährstoffe sind:

  • Kohlenhydrate (Hauptenergielieferant für Gehirn und Muskeln)
  • Fett (Energiespeicher, Baustoff für Zellen, essenziell für die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen)
  • Proteine (Baustoff für Muskeln, Zellen, Enzyme Hormone)

Mikronährstoffe sind:

  • Substanzen in unserer Nahrung, ohne die wir Menschen nicht lebensfähig sind.
  • Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente
  • sekundäre Pflanzenstoffe, Nahrungsfasern, Enzyme usw.

In Fast Food Produkten und Convenience-Food (Halb- und Fertigprodukte) werden häufig die Mikronährstoffe künstlich hinzugefügt. Das vermindert die Wertigkeit des Produktes. Ab den 50er Jahren wurden immer mehr Halbfertig- und Fertigprodukte hergestellt. Da es damals noch nicht üblich war einen Kühlschrank zu haben, wurden Mahlzeiten in Dosen hergestellt. In den Jahrzehnten danach kamen immer mehr neue Varianten der Haltbarkeitsmachung dazu. Je mehr die Gesellschaft es sich leisten konnte auf Convenience zurückzugreifen, desto mehr stiegen die sogenannten Wohlstandskrankheiten an. Das metabolische Syndrom. Bluthochdruck, Gefässkrankheiten, Diabetes Typ2, Adipositas usw.

Die antiinflammatorisch angelehnte Ernährungsform enthält folgendes:

  • Viele Nahrungsfasern aus vielen buntem Gemüse (2x pro Tag ½ Teller), wenig Früchte und Obst (max. 2 Handvoll) Der Bewegung angepasste Menge an Vollkornprodukten. Nahrungsfasern sind sehr wichtig für die Vielfältigkeit unseres Mikrobiom (Darmflora) im Darm. Ein gesunder Darm ist die halbe Miete.
  • Genügend energiefreie Flüssigkeit hält den Stoffwechsel in Schwung und sorgt dafür, dass die Nahrungsfasern gut quellen im Darm und somit eine regelmässige Darmentleerung möglich ist. Durchschnittlich 1.5 bis 2.0 Liter pro Tag.
  • Raffiniertes Weizenmehl meiden, wenn immer möglich durch Vollkornvarianten ersetzen. Z.B. UrDinkel-, Roggen-, Buchweizen-, Kichererbsen-, Mandelmehl usw. 
  • Kohlenhydrate der Bewegungsmenge anpassen. Mindestens 30% bei wenig Bewegung (unter 30 Min. pro Tag) Maximal 50% bei täglich 1 Stunde intensiver Bewegung. (Vollkornprodukte und Früchte, wenig Süssigkeiten)
  • Genügend magere Proteine, wie magere Poulet Brust und Truten Fleisch. Rotes Fleisch stark reduzieren. Max. 1–2-mal pro Woche je 120 Gramm. (Allgemein Bio-Weidequalität bevorzugen) Lachs, Forelle, Hecht, Tunfisch, Scampi usw. Hülsenfrüchte, Tofu, Erbsen usw. Eier, Käse, Magerquark, Hüttenkäse usw. (Milchprodukte nur mässig konsumieren)
  • Fette & Öle Für die kalte Küche hochwertige, kaltgepresste Öle verwenden wie: Raps-, Baumnuss-, Lein-, Hanf-, Oliven-, oder Kürbiskernöl. Für die warme Küche: kaltgepresstes Olivenöl und für die heisse Küche: kaltgepresstes Kokosöl.
  • Wenn Alkohol, dann nur wenig Max. 1–2-mal pro Woche, 1 – 2 Gläser.

Wichtig:
Um eine Ernährungsumstellung erfolgreich umzusetzen, lohnt es sich selbst einige Fragen zu beantworten: Passt mein Leben so, wie es ist? Was tut mir gut und was oder wer schadet mir? Die Psychohygiene darf nicht unterschätzt werden, denn wenn man sich in seinem Körper, Geist und seinem Umfeld wohlfühlt, geht vieles deutlich einfacher.

«Tu deinem Körper Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen»
(Teresa von Avila)

Heidi Schmid-Ackermann, Ernährungs-Psychologische Beraterin IKP
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