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Kompression

Die Welt der Kompressionsversorgungen kann herausfordernd sein. Die folgenden Beiträge sollen Orientierung bieten und die verschiedenen Möglichkeiten erklären, um den Alltag mit Kompression so angenehm wie möglich zu gestalten. Unter dem Suchbegriff «Kompression beim Lipödem», werden Dutzende Beiträge zum Thema angezeigt. Vor zehn Jahren gab es gefühlt, eine Handvoll. Die Flut von Beiträgen macht die Wahl der idealen Kompression nicht einfacher. Kompressionsbekleidung ist so individuell wie der Mensch selbst und sollte auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt sein.
Im Fachhandel, wie Orthopädiegeschäften und Sanitätshäusern, werden idealerweise verschiedene Produkte vorgestellt und deren Vorteile erklärt. Es gibt nicht den einen Hersteller. Einige haben sich auf innovative Garnzusammensetzungen spezialisiert, andere bieten eine grosse Farbauswahl und wieder andere verwenden viele natürliche Fasern, um unangenehmes Schwitzen und Hautirritationen entgegenzuwirken. Am Ende des Tages muss sich die Trägerin bzw. der Träger darin wohlfühlen, denn die Kompression wirkt nur solange das Produkt getragen wird.

Die Kompressionstherapie wird beim Lipödem in erster Linie zur Reduzierung der Schmerzen eingesetzt. Gleichzeitig wirkt sie einer Ödembildung (Schwellung) entgegen. Das Fettgewebe selbst wird durch die Kompression jedoch nicht reduziert. Stark dellige und wulstige Beinformen werden lediglich modelliert

Die Ausmessung sollte möglichst früh am Morgen oder direkt nach der Lymphdrainage erfolgen. Besteht zusätzlich zum Lipödem ein Lymphödem oder ist die Neigung zu einem Lymphstau vorhanden, ist es sehr wichtig, dass die Gliedmassen vor der Ausmessung maximal entstaut wurden.
Die Regel lautet: Keine Kompressionsversorgung ausmessen, wenn nicht entstaut!

Bei der Wahl des Kompressionsmaterials sollte Folgendes beachtet werden:
– die Beschaffenheit der Haut, des Bindegewebes und der Muskulatur.
– die Form der Beine, des Gesässes und der Arme.
– das Alter des Patienten / der Patientin.

Fazit: Grundsätzlich können beim Lipödem laut S2k Leitline von 22.01.2024, rundgestrickte- und flachgestrickte Kompressionsbekleidungen eingesetzt werden.

– je komplexer jedoch die Form der Beine und der Arme,
– je grösser die Unterschiede der Umfänge innerhalb kurzer Strecken,
– je weicher und delliger das Gewebe ist, desto dicker und wandstabiler sollte das Kompressionsmaterial sein.

Mehr dazu unter «Rundstrick versus Flachstrick».

In der konservativen Therapie des Lipödems ist die Kompressionstherapie Standard. Sie kann mit medizinischen Kompressionsstrümpfen (MKS*), Kompressionsverbänden oder medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK*) erfolgen. Zusätzlich kann die intermittierende pneumatische Kompression (IPK*) eingesetzt werden. Die Kompressionsart und die Kompressionsklasse werden nicht starr zugeordnet. Es werden der klinische Befund und die Ausprägung der Anatomie und der Beschwerden berücksichtigt.
(Quelle: Empfehlung S2k-Leitlinie Lipödem vom 22.01.2024, Absatz 4 «Kompression beim Lipödem»)

*MKS – Rund- und flachgestrickte Kompressionsversorgungen
*MAK – Spezielle Bandagen für Arme und Beine z. B. mit Klettverschlüssen (Wrap)
*IPK – Maschinelle Lymphdrainage

Für eine Kostenübernahme einer IPK oder MAK muss vorgängig eine Abklärung mit der Krankenkasse erfolgen.

Auf Social Mediawerden verschiedene Modelle angeboten. Diese können für den Sport, das Wandern oder andere Aktivitäten geeignet sein. Siebieten jedoch nur eine leichte Kompression, deren medizinische Wirksamkeit meist nicht nachgewiesen ist. Es empfiehlt sich im Fachhandel nachzufragen.

Auch flachgestrickte Leggings sind nicht für alle Lipödem-Betroffenen geeignet. Wenn im Knöchelbereich bereits ein sogenannter Muffkragen* vorhanden ist, ein sekundäres Lymphödem* besteht oder ein Lymphstau* vorliegt, sind Leggings nicht die ideale Wahl, sondern kontraproduktiv. Auch hier empfiehlt es sich, eine Fachperson hinzuzuziehen, um die perfekte Kompressionsversorgung zu erhalten.

*Ein Muffkragen ist eine deutlich sichtbare Verdickung oberhalb des schmalen Fuss und Knöchels.
*Ein Lymphstau: äussert sich in geschwollenen Füssen und Beinen.
*Ein sekundäres Lymphödem ist eine erworbene Schädigung des Lymphsystem. Diagnostiziert vom Gefässspezialisten.

Ein Rundstrick-Kompressionsstrumpf kommt hauptsächlich bei venösenKrankheitsbildern zum Einsatz. Er übt einen definierten Druck auf die erweiterten Venen aus, verengt deren Durchmesser und unterstützt so die Venenklappen. Aufgrund seiner Rundstricktechnik weist der Kompressionsstrumpf eine geringe Wandstabilität auf. Das bedeutet, dass der Strumpf in verschiedenen Situationen unterschiedlich wirkt. Das Material dehnt sich durch die Anspannung der Muskeln beim Gehen aus und stützt das Gewebe somit nur passiv. Beim Liegen und Sitzen bleibt der Druck hingegen konstant. In diesen Situationen spricht man von einem Ruhedruck oder niedrigem Arbeitsdruck.
Der Strumpf wird in einem Zylinder mit gleichbleibender Maschenanzahl im Knöchelbereich wie am Oberschenkel gestrickt. Es gibt keine Längsnaht. Die verwendeten Garne sind in der Regel sehr fein.
Der Einsatzbereich eines Rundstrick-Kompressionsstrumpfes ist begrenzt. Er ist nicht geeignet für weiches Gewebe, Haut- und Gewebeüberlappungen sowie allgemein komplexe Beinformen.
Rundstrick Versorgungen sind als Serien- und als Massanfertigungen erhältlich.

Flachstrick-Versorgungen werden bei venolymphatischen Krankheitsbildern eingesetzt. Dazu zählen Lipödem, Lymphödem und fortgeschrittene Phlebödeme*.
Die flachgestrickte Kompressionsversorgung wird aus dickeren Garnen, an einer Flachbett-Strickmaschine gestrickt und wird anschliessend längs zusammengenäht. Dadurch erhält die flachgestrickte Kompressionsversorgung ihre typische Längsnaht. Je nach Hersteller kann diese seitlich oder hinten liegen. Flachstrick ist in der Regel eine individuell angepasste Versorgung, die auf dem Etikett mit dem Namen der Trägerin bzw. des Trägers ausgewiesen ist. Es gibt nur wenige flachgestrickte Serienprodukte auf dem Markt. Die Passform ist dann nicht personalisiert.
Flachgestrick hat eine geringere Dehnbarkeit und setzt dem Gewebe somit einen stärkeren Druck entgegen als Rundstrick. Die Anzahl der Maschen pro Maschenreihe variiert je nach Form des Körperteils. So kann die Versorgung auch für komplexe Bein- und Armformen optimal angepasst werden. Beispiele hierfür sind, weiches, delliges Bindegewebe, Haut- und Gewebeüberlappungen sowie Kalibersprünge von kleinen zu grossen Umfängen in kurzen Abständen.
Bei Flachstrick spricht man von einem hohen Arbeitsdruck. Das bedeutet, dass sich der Druck auf das Gewebe erhöht, wenn man sich bewegt und der Muskel sich dadurch ausdehnt.

*Ein Phlebödem, ist eine Schwellung, die durch eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe verursacht wird. Sie entsteht durch eine Abflussstörung in den Venen.

Dabeiwerden zwei oder mehrere Kompressionsbekleidungen kombiniert getragen. Es muss nicht immer eine klassische Strumpfhose sein. Der Druck wird bei dieser Versorgung nicht erhöht. Trotz der Überlappung der einzelnen Teile ist ein degenerativer Druckverlauf gewährleistet. (Der Kompressionsdruck nimmt von unten nach oben ab.)
Das Anziehen kann für manche Menschen sehr anstrengend sein und bereits am Morgen für den ersten Schweissausbruch sorgen. Doch das muss nicht sein, denn mit einer mehrteiligen Kompressionsversorgung geht das An- und Ausziehen deutlich einfacher.

Je nach Anatomie der Beine oder Arme gibt es folgende Möglichkeiten:
– Knöchelsocken mit Leggings
– Wadenstrümpfe mit Caprihosen
– Wadenstrümpfe mit Stulpen und Bermudas
– Schenkelstrümpfe mit Bermudas
– Handschuhe mit Arm-Sleeves, Bolero etc.

Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt.
Ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität bei grosser Hitze. So kann der Schenkelstrumpf beispielsweise auch ohne Bermuda getragen werden.

Durch das Übereinandertragen von zwei oder mehr Versorgungen erhöht sich der medizinische Kompressionsdruck auf das Gewebe. Doch Achtung: Eine Klasse 1 über einer Klasse 1, ergibt «keine» Klasse 2! Was sich addiert, sind die Druckwerte. Somit liegt die Kompressionsklasse in diesem Beispiel bei 3.

Doppelversorgungen sind eher selten und müssen mit dem Arzt abgesprochen werden.

Im Fachhandel werden verschiedene Hilfsmittel angeboten, die das An- und Ausziehen der Kompression zu erleichtern. Die Hersteller empfehlen, dabei Textil- oder Gummihandschuhe zu tragen. Ohne diese Handschuhe sollte kein Kompressionsstrumpf angezogen oder ausgezogen werden. Sie verhindern, dass die Strümpfe durch lange Nägel, Ringe und harte, abstehende Hautteile an den Fingern aufgerissen werden. Solche Beschädigungen des Produktes sind kein Garantiefall.
In Fachgeschäften werden ebenfalls diverse An- und Ausziehhilfen angeboten. Damit gleitet der Strumpf ohne Anstrengung über Ferse und Bein. Die Kosten für die An- und Ausziehhilfen werden von der Krankenkasse zum grossen Teil übernommen. Auf der Verordnung muss der Arzt dies mit ein paar Worten begründen.

Die Hersteller empfehlen, die Kompressionsversorgungen täglich mit maximal 40 °C warmem Wasser und einem Feinwaschmittel zu waschen. Davon mindestens einmal pro Woche in der Waschmaschine mit einem Waschbeutel. So werden Hautschuppen, Schweiß und Rückstände von Hautcreme und anderen Pflegemitteln, die sich in den Maschen abgelegt haben, gut herauswaschen.
Wichtig: Die Kompressionsbekleidung darf nicht an der Sonne, auf dem Heizkörper oder im Tumbler getrocknet werden. Benutzen Sie keinen Weichmacher!
Tipp: Drehen Sie die Innenseite zum Waschen nach aussen. 
Nach der Handwäsche können Sie den Strumpf in ein dickes Frotteehandtuch einrollen und auspressen. Hängen Sie die Strümpfe anschließend auf das Wäscheseil, damit sie bis zum Morgen wieder trocken sind.